GRÜN HINTERM OHR

Print media specialist. B2B | Knit addict. Bibliophile. Wine enthusiast |
Autodidact | But in the end... Who even cares?


Herrschaftszeiten!

Was sagt man dazu.


(Bildquelle: Pinterest)

Ich möchte ein Zitat von David Riesman anführen, der 1958 feststellte:
„We are a generation, prepared for Paradise Lost, who do not know what to do with Paradise Found.“

Das gute Leben 1908 und 2018


110 Jahre liegen zwischen den Inhalten dieser beiden Bücher. Das eine 1908 geschaffen in dem Wunsch, ein besserer Mensch zu werden. Das andere, 2018 erschienen, möchte sich verstanden wissen als der rechte Pfad zwischen Ordnung und Chaos.

Tolstoi schreibt 1908:
„[…] Ich würde mir wünschen, dass der Leser bei der täglichen Lektüre dieses Buches das gleiche wohltuende, erhebende Gefühl empfindet, das ich bei seiner Zusammenstellung empfand und noch jetzt beim täglichen Nachlesen und bei der Arbeit an der Verbesserung der zweiten Auflage empfinde.“

In Petersons Vorwort heißt es 2018:
„Meine Agentin schlug mir eine Art Ratgeber vor, über das, was der Mensch für ein ‚gutes Leben‘ wissen muss – was immer das auch hieß.
[…]

„Das Dasein ist komplizierter, als ein Einzelner je ermessen kann, und ich weiß längst nicht alles. Ich liefere aber immer das Beste, das ich habe.
Daraus ist schließlich dieses Buch geworden. […]“

Beiden Büchern ist gemein, dass sie sich mit Ordnungsstrukturen befassen, die wir uns und dem Leben geben. Der Unterschied ist:
Peterson will beeindrucken. Tolstoi wollte sich ausdrücken.

Peterson trägt mit seinen Essays „dem Hungern jedes Einzelnen nach dem Heroismus des wahren Daseins“ Rechnung. Tolstoi wünschte den Lesern seiner Zusammenstellung „eine leicht fassliche Lektüre für alle Tage, die geeignet ist, nur die besten Gedanken und Gefühle zu erwecken.“

„12 Rules for Life“ wird den nächsten Wochen zweifelsohne ein großer Medienrummel beschert sein, und das Buch wird viele begeistern. Hier findet es nach dem Studieren des Vorworts ungelesen seinen Platz in der Privatbibliothek.

„Für alle Tage“, Tolstois zeitloses Werk und in der C.H. Beck-Ausgabe zugleich ein optischer und haptischer Blickfang, hat hier seinen ganz besonderen und exponierten Platz bekommen. Möge es unsere Freunde, Besucher und Gäste stets einladen darin zu blättern und den ein oder anderen anregenden Gedanken für sich mitzunehmen.

Die Seltsamkeit eines Buches

Ein weiteres Buch findet Eingang in diesen Blog. Dabei weiß ich nicht, ob ich es toll finde oder nicht oder wie ich es überhaupt finde. Der Titel ist Programm: es ist seltsam. Was daran für mich seltsam ist, ist, dass es schon ein paar Tage her ist, dass ich es auslas, es mich aber gedanklich nachhaltig stark beschäftigt.

Also hat es etwas. Was auch immer. Also schreibe ich darüber. Und was schreibt man nun über ein Buch, das sich nicht einordnen lässt? Fangen wir mit dem Genre an. Es geht in diesem Buch in einem Satz darum: Geistlicher verlässt die Erde und missioniert eine andere Lebensform auf einem fernen Planeten während die Erde sich zerstört.

Ich mag keine Science Fiction. Aber ich mag Dystopien. Ergo 50% Treffer. Durch den missionarischen Aspekt ist das Buch geprägt von Religiösem und Christlichem. Darauf muss man sich als Leser einlassen wollen! Das macht das Buch in Teilen zu schwerer Kost. Es hat Längen, aber insgesamt konnte ich mich seinem Sog nur schwer entziehen.

Ich greife eine Szene heraus, in der es um Sprache und Kommunikation geht. Und die Schwierigkeiten, wenn man mit neuen Individuen zusammentrifft.

Die Szene bezieht sich mehr auf das Verständigen an sich als auf das Verstehen. Nichtsdestotrotz kamen mir beim Lesen dieser kurzen Zeilen Gedanken zur zwischenmenschlichen Kommunikation in den Sinn, die mir im beruflichen Umfeld immer häufiger auffallen und die ich als zunehmend anstrengend empfinde. Man sitzt im selben Raum und spricht doch nicht die gleiche Sprache. Wir sitzen in Vorträgen und Besprechungen und jeder wirft mit Begriffen, Anglizismen, Abkürzungen und großen Worten um sich. Und anstatt zu hinterfragen, spricht der nächste doppelt schlau, als meine man, nachlegen zu müssen. Man erfindet nahezu zwanghaft neue Umschreibungen, als könne man sich damit anderen ins Gehirn einbrennen. Schöne neue Wörter, die oftmals Altbewährtes meinen. Immer öfter frage ich: Was steckt hinter dieser Abkürzung? Erklärt das jemand erst einmal genauer? Wie definieren wir diesen hochtrabenden Begriff in unserem Kontext — damit wir alle zusammen das gleiche Verständnis haben und auf das gleiche hinarbeiten.

Ich ertappe mich dabei, dass ich wieder öfter den Brockhaus aus dem Schrank ziehe. Seltsam. Und offensichtlich erlebt auch die Bibel eine gewisse Renaissance — in diesem Roman auf jeden Fall.

„Ohne Menschen erreicht man nichts.“

PS. Es ist auch eine Liebesgeschichte.

Alte Turnschuhe. Und der Schwarzwald.

Sprache ist großartig. Schreiben ist großartig. Immer wieder stoße ich beim Lesen auf Sätze und textliche Juwelen, die Eingang in meine Sammlung finden. Mein Zitat-Archiv hat inzwischen einen beachtlichen Umfang. Diese Sammlung der Gedanken anderer Menschen hüte und pflege ich wie einen Schatz.

Hin und wieder -wenngleich auch sehr, sehr selten- finden Werbetexte ihren Weg in diesen Fundus. So ein Tag war heute. Beim Frühstück stierte ich müde und gelangweilt auf eine Smoothie-Flasche, las beiläufig den aufgedruckten Text, wurde angeregt und aufgeregt und dadurch zunehmend wacher, las den Text noch einmal und brach in fröhliches Schmunzeln aus.
Natürlich ist das Erfassen einer Botschaft immer subjektives Empfinden, aber treffender kann man einen Text für eine Zielgruppe meiner Ansicht nach kaum fokussieren:

Noch ein Beispiel. Und eine Kuckucksuhr.

Der Unterschied heißt Leidenschaft. Echte Leidenschaft für ein Produkt und dessen „Persönlichkeit“. Man spürt, dass man überzeugen will.

Das ist Kunst.

Adieu mit ö

Wie schön, solche Szenen bewahren zu können.

Der endlose Himmel, der die Zeiten überdauert. Für einen kurzen Augenblick überlege ich, dass man sich eine bessere Welt herbeiträumen kann. Glück ist so schwer auszumachen. Es war schön hier.
Lest Bücher, so viele wie möglich!
Trinkt Wein, so guten wie möglich!

Herbsttage

Beim Anblick des Begrüßungskärtchens dachte ich über Freundlichkeit, Respekt und Demut nach. Besonders über Demut. Doch wie so oft führt zu vieles Nachdenken zu keinem Ergebnis.

So ein herrlicher Tag.

Und ich soll gehen.


Nur derjenige, der von uns gegangen ist, ist derjenige, der zu uns gehört.
Jorge Luis Borges