GRÜN HINTERM OHR

Print media specialist. B2B | Knit addict. Bibliophile. Wine enthusiast |
Autodidact | But in the end... Who even cares?


Der perfekte Abend

Get lost in a Book.
Experience Magic.

Freunde des Zusammenlegens

Es gibt Dinge, die sind bekloppt. Bekloppt, aber irre gut.

Puzzlen ist so ein Ding. Ich habe es neben dem Lesen und der Strickerei schon immer geliebt, aber lange Zeit nicht mehr gemacht. Nun also die Herausforderung: in den Schränken fristen seit Jahrzehnten ein verpacktes 8.000- und ein 18.000-Teile Puzzle ihr verstaubtes Dasein. Für einen alleine machbar, aber kein großer Spaß. Puzzlen entspannt und ist für mich persönlich in gewisser Weise meditativ, aber bei den o. g. Teilezahlen wird im Alleingang das Durchhaltevermögen doch auf eine sehr harte Probe gestellt.

Und plötzlich findet man im Freundeskreis Gleichgesinnte, die regelmäßig puzzlen und Interessierte, die allesamt Bock auf eine größere Puzzledimension haben. Ehe man sich versieht, trifft man sich ein- bis zweimal in der Woche.

Wir strukturieren das Motiv und sortieren die Teile, strukturieren wieder neu, weil sich mit der voranschreitenden Detailkenntnis des Motivs neue Muster ordnen lassen. Wir organisieren Pappen, da der runde Tisch im Durchmesser nicht ausreichend ist und nähern uns peu à peu gemeinschaftlich dem langfristigen Erfolg.

Kurz: wir haben eine Menge analogen Spaß!

Im Puzzlefieber entstehen neue Wortkreationen wie „Gemöck“ und „Brunkack“, und die Gesellschaft zur Stärkung der Verben dürfte sich an vermehrten Klickzahlen gefron haben.

Wie lange es dauern wird? Schwer zu sagen. Das gemeinsam angepeilte Ziel lautet: Räumlichkeit puzzlefrei zur alljährlichen Vorsilvesterzusammenkunft!

Wir werden sehen.

Motiv: Marino Degano, 2000 Years (Heye Puzzle)
Teile: 8.000
Abmessungen: 196 x 130 cm
Startschuss: 09.05.2018
Rand fertig: 18.05.2018

Stille

Längere Zeit habe ich nicht über Bücher gebloggt. Was nicht daran lag, dass ich nicht gelesen habe. Nein. Ich habe nur vielmehr nichts gelesen, das es wert gewesen wäre, darüber zu bloggen. Sachbücher sind selten spannend genug für eine Rezension. Und in der Literatur ist es ähnlich: es gibt viel Gutes, das mich unterhält, aber nur Weniges, das den Weg in den Blog finden wird, da dies immer etwas Besonderes sein sollte.

„Stille“ ist so etwas Besonderes.

Angesiedelt zwischen Sachbuch, Erfahrungsbericht und persönlichem Journal ist es für mich ein echtes Juwel, wenn man sich mit diesem Thema beschäftigen möchte. Es handelt sich hier nicht um ein weiteres Achtsamkeits-, Weisheiten- und Meditations-Problemlösungsgeschwurbel, auf dessen Zug viele Verlage meinen, noch ein Hyggelchen draufsetzen zu müssen. Sondern um ein kleines, feines, leises Buch abseits des lauten Mainstream. Wie vom Insel Verlag zu erwarten. Der sehr gelungene Kontrast zwischen Buchumschlag und -deckeln wird dem Thema obendrein in gekonnter Form gerecht, und das Papier ist für alle Freunde des bedruckten Blattes haptisch eine wahre Freude.

Natürlich spielen die o. g. Themen eine Rolle, wenn es um Stille, insbesondere die innere Stille geht. Dem Autor gelingen hier aber sehr persönliche Eindrücke, gespickt mit kleinen philosophischen und lyrischen Abstechern, die mich persönlich schon seit längerer Zeit bewegen und beschäftigen. Parallel dazu liest man von sehr modernen Einsichten, die einen durchaus zum weiteren Nachdenken anregen.

Fazit: Ein Kleinod, das ich sicherlich nicht nur einmal gelesen haben werde. Ein ganz besonderes Buch!

Mein Kopf ist voller unausgereifter Gedanken, und ich schaffe es nicht, die Welt auszusperren. […] Stille zu erzeugen, ist bisweilen eine kleine Herausforderung. Manchmal schreibe ich mir verschiedene Gedanken auf einen Zettel, um sie so aus dem Kopf zu bekommen.

Märzimpressionen


❄️❄️🌤❄️💨 #snow #winter #easterlies

Morgenstimmung

Guten Morgen, Bad Pyrmont! ☀️❄️

Von Elefanten und anderen Wesen

[…]
Auf diese Art geht die Welt zugrund
Auf diese Art geht die Welt zugrund
Auf diese Art geht die Welt zugrund
Nicht mit einem Knall: mit Gewimmer.

(„Die hohlen Männer“, T.S. Eliot, letzter Absatz)

Ich habe es satt. Engstirnigkeit, Taktlosigkeit und leere Phrasen.
Dogmatische Regeln und fantasielose Leute, die keine Funken versprühen.

Ich habe meine eigene Art zu denken. Das ist unbequem.
Aber ich liebe meinen eigenen Kopf.

Bildquelle Pinterest: (1) / (2)

„Alternative Fakten“

der verschleiernde und irreführende Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen

Welcher Fakt ist wahr und welcher falsch? Und ist nicht alles eine Frage des Blickwinkels? Was wir sehen, ist eine Perspektive, was wir hören eine Meinung.

Kürzlich las ich ein Statement zum Deutschen Fernsehpreis. Ein sehr gelungenes Statement eines geladenen Gastes, das Anstoß daran nimmt, dass man die Autoren, ohne die viele Fernsehformate gar nicht möglich wären, „aus Platzgründen“ von dieser Veranstaltung ausschließt. Ein Vorgehen, das man symptomatisch für unsere Zeit begreifen kann: wenig bis gar keine Wertschätzung und Feingefühl für die leistenden, schaffenden, kreativen Menschen im Hintergrund.

Störe meine Kreise nicht“ sagte einst Archimedes.

In o. g. Beispiel trifft es die im Stillen arbeitende Autorenschaft, die den Kreis des Rampenlichts „stört“. Fakt: Platzgründe. Woanders werden im Rahmen organisationsinterner Veranstaltungen z. B. gehandicapte Menschen gebeten, sich für diesen Zeitraum von den Veranstaltungsräumen weitläufig zu entfernen, während man sich, Fakt, gleichzeitig einer besonderen sozialen Integration rühmt. Oder man rühmt sich, Fakt, eines vertrauensvollen Miteinanders, während man gleichzeitig z. B. schlichte Freundlichkeit gegenüber Mitgliedern bestimmter Kreise abkanzelt und im Nachgang rügt, weil es „stört“.

Vieles in diesem Land, welche Organisationsform auch immer -gesellschaftlich, politisch, wirtschaftlich, kulturell, sozial- ist groß geworden durch Schaffende mit Begeisterung, Leistungsbereitschaft und Leidenschaft für die Sache. Diese Schaffenskraft wird heute vielfach ignoriert, und dem Wissen und Know-how der beteiligten Menschen wird kein Vertrauen mehr geschenkt. „Bezahlte Strategiesöldner in Slim Fit und Schnabelschuhen“ (Zitat: privat) fegen durch das Land, die keine Verantwortung für ihre Entscheidungen tragen müssen, geschweige denn übernehmen.

Unsere Epoche ist eine besondere – technologisch und organisatorisch. Es ist eine Zeitenwende! Die neue industrielle Revolution betrifft in erster Linie den MENSCHEN. Und zwar jeden. Unseren Umgang miteinander. Beruflich und privat. Alles vermischt und vernetzt sich, schon rein technologisch, zunehmend. Vieles lässt sich nicht mehr eindeutig voneinander abgrenzen. Gewohnte Abläufe ändern sich. Ein neues Rollendenken ist erforderlich. In dieser Zeit muss man besonders gut mit Menschen umgehen können und mit ihnen arbeiten wollen. Und man muss vor allem eines: mit Menschen transparent kommunizieren. Und zwar ehrlich und aktiv und nicht mit substanzlosen, austauschbaren Phrasen. Man muss die Menschen anhören, mit ihnen reden und ihre Sorgen verstehen wollen, denn nur dann lässt sich GEMEINSAM unsere veränderungsträchtige Zeit und die Zukunft gestalten.

Menschen wollen die Fakten, bestehende und sich ändernde, verstehen. Sie wollen eingebunden werden, um sich engagieren zu können. Ungleiches Verständnis nicht ignorieren sondern akzeptieren heißt, sich gegenseitig zu verstehen, zu reden, zuzuhören, „Händchen zu halten“. Das geht nur mit Unabhängigen, die eben diese Aufgabe neutral übernehmen. Für diese kommunikative Begleitung der Veränderung, diese neutrale Moderation, die den Menschen ANTWORTEN auf den Umbruch und neue eingeschlagene Wege liefert und sie erklärt, braucht es mehr außenstehende Unterstützung durch „bezahlte Veränderungsprozess-Söldner“ denn je.

Denn nichts ist für den Menschen als Menschen etwas wert, was er nicht mit Leidenschaft tun kann.“ (Max Weber, Wissenschaft als Beruf)